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Sprunggelenk - ...und umgeknickt...

Updated: Dec 6, 2018


Die meisten Patienten mit Verletzungen des Sprunggelenks, die in meiner Praxis erscheinen haben die gleiche oder eine ähnliche Geschichte. In der Geschichte kommt meist das Wort "umgeknickt" vor. Viele dieser Patienten kennen dieses Problem schon seit Jahren und haben sich schon damit abgefunden, dass sie regelmäßig umknicken. Die Erklärung scheint ganz einfach für sie zu sein: "Ihre Bänder im Sprunggelenk sind zu lang / überdehnt / gerissen." Daher knicken sie immer wieder um.


Scheint eine wirklich gute und verständliche Erklärung zu sein. Für mich persönlich, wäre diese Erklärung jedoch nicht genug. Für mich wäre Sie sogar komplett unzureichend! Denn schließlich sind unsere Bänder nicht primär dafür da uns am Umknicken zu hindern. Unsere Bänder sind die LETZTE Barriere, die uns vor größerem Schaden bewahren sollte. Normalerweise sollte der menschliche Körper jedoch noch andere Barrieren haben, die uns vor Verletzungen beim Umknicken bewahren.


Diese anderen Barrieren sind unser sensomotorisches System. Und der Grund warum meine Patienten immer wieder umgeknickt sind, liegt in einem Fehler in diesem sensomotorischen System! Was genau hinter diesem Begriff steckt erkläre ich dir gleich.


Es ist richtig, dass unsere Bänder die passive Barriere sind, die uns vor groben Verletzungen beim Umknicken bewahren sollten. Wie bereits erwähnt, ist die passive Barriere die letzte die in Anspruch genommen werden sollte. Neben der passiven gibt es nämlich noch die aktive Barriere. Diese arbeitet AKTIV mit unseren Muskeln, welche reflexartig handeln sollen, wenn wir drohen umzuknicken. Damit diese Schutzreaktion unseres Körpers gut funktioniert ist es nicht nur wichtig, dass unsere Muskeln gut funktionieren, sondern es ist vor allem notwendig, dass unser gesamtes sensomotorisches System auf die Umwelt reagiert.


Das Wort "sensomotorisches System" bezieht sich auf die Kommunikation zwischen unseren Gelenken/Muskeln und unserem Nervensystem (Rückenmark und Gehirn). Unsere Gelenke/Muskeln senden Informationen zum Nervensystem und umgekehrt. Diese Kommunikation passiert natürlich irrsinnig schnell, damit wir rechtzeitig auf unsere Umwelt (z.B. wenn sich der Boden plötzlich von gerade auf schräg ändert...) reagieren können.


Unsere Fußmuskeln sind beim gehen auf ebenem Boden ständig aktiv. Gehen wir auf unebenem Boden sind jedoch manche Muskeln aktiver als andere. Dabei müssen wir nicht bewusst darüber nachdenken und uns konzentrieren bestimmte Muskeln mehr zu aktivieren als andere. Nein, das funktioniert ganz von alleine durch die Aktivität unseres sensomotorischen Systems. Informationen zur Bodenbeschaffenheit werden nach oben gesandt, dort werden die notwendigen Reaktionen unserer Muskeln berechnet und anschließend nach unten zu den Muskeln gesandt.


Egal ob wir auf ebenem, abfallendem, ansteigendem oder unebenem Boden gehen unsere Muskeln passen sich sofort an. All das, damit wir uns überall möglichst effektiv fortbewegen können. All das um nicht umzuknicken!!!


Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die immer wieder umknicken Defizite in diesem System haben. Wenn diese Anpassungen der Muskelaktivität nämlich zu langsam passieren ist unser Sprunggelenk für kurze Zeit nicht Stabil genug um den Fuß in Balance zu halten.


Das Ergebnis im schlimmsten Fall: Wir knicken um!


Der Grund: Entweder ging die Information (dass wir uns nun auf einem anderen Untergrund bewegen) zu langsam rauf in unser Nervensystem oder das Kommando von unserem Nervensystem an unsere Muskeln ging zu langsam nach unten.


Wenn Schmerzen bestehen, Schmerzen mal da waren oder wir unzureichend trainiert sind haben unsere Stabilisationsmuskeln die Eigenschaft ihre Funktion runterzufahren. Sie sind also weniger aktiv und können daher nicht so gut/schnell reagieren. In vielen Fällen regeneriert sich diese Funktion wieder, wenn kein Schmerz mehr besteht. In manchen Fällen bleibt jedoch diese eingeschränkte Funktion unserer Stabilisatoren erhalten. Daher erhöht sich das Risiko in Zukunft erneut umzuknicken drastisch.


Die gute Neuigkeit ist jedoch, dass diese Stabilisationsfähigkeit wieder rücktrainiert werden kann und somit auch das Risiko zum erneuten Umknicken verringert werden kann. Ein guter Tip um sein sensomotorisches System zu trainieren ist das Stehen auf einem Bein morgens beim Zähne putzen. Dabei nicht mit den Zehen krallen, sondern die Zehen locker halten!


Ein gezieltes sensomotorisches Training besteht zwar aus mehr als dem bloßen Stehen auf einem Bein, aber es ist ein Anfang. Besorge dir Trainingsgeräte welche die Stabilität deines Fußes verbessern, wie z.B. Kreisel oder weiche Matten auf denen du Balance Übungen durchführst. Falls dir die Ideen ausgehen oder du mit den Youtube Tutorials unzufrieden bist, dann ruf deinen nächsten MSK Physiotherapeuten an, lass dich gut untersuchen, finde heraus wo deine Defizite im sensomotorischen System liegen und befolge den Trainingsplan, den dir dein Therapeut zusammenstellt.


Jeder der schonmal umgeknickt ist, kann von dieser Art des Trainings profitieren. Vor allem wenn du aktiv bist. Aber auch wenn du nicht so aktiv bist. Du weißt nie wann du mal unvorhergesehen einen kleinen Spaziergang auf unebenem Boden machst, oder du vielleicht einmal beim runtergehen über die Treppe nicht optimal auftrittst.




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